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Und schon zeigt der Tacho 350 km. Die ersten 130 km davon, meine ersten 130 km auf einem Liegerad überhaupt, fuhr ich nachts durch Gewitterschauer. Aber der Reihe nach.
Ein Velomobil für jeden Tag
Ich suchte ein wartungsarmes, zuverlässiges Velomobil für den täglichen Weg zur Arbeit, 18 km einfache Strecke. Der Wetterschutz stand im Vordergrund. Flott sollte es sein, aber nicht unbedingt auf den letzteb Kilometer pro Stunde optimiert. Dafür sollte es auch mal einen Wald- oder Feldweg verkraften, in engen Kurve nicht stecken bleiben, und preislich im Rahmen liegen. Meine Modellrecherche führte mich auf ein Mango Sport.
Probefahrt
Zur Probefahrt bei Drymer in Stadskanaal brachte der Verkäufer, Harry, sein eigenes, leicht gepimptes Mango mit. Die Fahrt bestätigte meine Erwartungen: Das Rad beschleunigt bis etwa 20 km/h gewichtsbedingt nicht ganz so dynamisch wie ein normales Rad. Danach zählt der Tacho aber munter weiter hoch: 35 km/h fand ich noch sehr komfortabel. Bei 45 km/h waren Puls und Atmung deutlich erhöht, aber nicht am Limit. Die leichte Steigung der Brücke über den Wildervanckkanaal ließ sich schneller als mit dem Treckingrad fahren: Offenbar kann bei leichten Steigungen der geringere Windwiderstand das zusätzliche Gewicht kompensieren. Auf der Oosterstraat schwamm ich mit 47 km/h im Autoverkehr mit. Meine Tretbewegungen übertrugen sich dabei etwas auf die Lenkung, so dass ich bei hoher Geschwindigkeit leichte Schlangenlinien fuhr. Wie sich später herausstellte, war das nur eine Folge meiner noch nicht ganz lockeren Haltung. Enge Kurven eines Radwegs um einen Kreisverkehr waren problemlos fahrbar. Überraschend fand ich die Sitzposition und die einfache Sitzschale: Entspannt und bequem!
Ausstattung
Ich entschied mich für ein Standard Mango Sport. Neun- statt zehnfach Grip-Shift Schaltung um Kosten zu senken, zusätzlich Blinker zur Sicherheit bei geschlossenem Schaumdeckel und Armstützen für die entspannte Haltung. Glücklicher Umstand: Ein Freund, der schon mit dem Gedanken an ein Velomobil spielte, war bei der Probefahrt dabei, sofort begeistert und hat sich nach kurzer Bedenkzeit ebenso eins bestellt!
Lieferung
Die tatsächliche Lieferzeit war mit zehn Wochen in Ordnung, zumal zwei Wochen Betriebsferien in diese Periode fielen. Etwas enttäuscht waren wir trotzdem, als der zuerst vage in Aussicht gestellte Termin um drei und dieser dann nochmal um eine Woche verschoben wurde. Und auch am vereinbarten Abholtag waren die Räder noch nicht fertig, als wir um halb elf bei Drymer ankamen. Es war interessant, zu sehen wie die Fahrzeuge zusammengebaut wurden und spannend, hier und da zu helfen.
Abbildung 1: Fast fertig: Nur noch die Spiegel montieren und einen Klebestreifen auf die Fuge zwischen Body und Deckel kleben.
Jungfernfahrt
Nun aber der Grund für die Jungfernfahrt bei Nacht: Als wir aus dem Tor rollten, war es 19:00! Mein Fahrrad-Navi habe ich auf den rechten Radkasten geklettet – auf dem linken ist der Tacho und die Elektroverteilung befestigt. Beides ist auch mit Schaumdeckel gut zu sehen. Trotz des Wetters bin ich den gesamten Weg im T-Shirt gefahren. Bis auf etwas Wasser, dass von der Brille tropfte, bin ich unter dem Schaumdeckel nicht nass geworden. Der Busch & Müller Scheinwerfer leuchtet hervorragend die Straße aus. Die Höhe kann während der Fahrt über einen Hebel verstellt werden. Die Innenbeleuchtung ist praktisch, um den Tacho abzulesen oder etwas im Gepäckraum zu finden.
Abbildung 2: In Ter Apelkanaal war es noch hell und trocken. Mit Einbruch der Dunkelheit zogen einige Gewitter durch. Die letzten Stunden der Überführungsfahrt waren sternenklar.
Unsere Reisegeschwindigkeit lag auf den langen Streckenabschnitten bei etwa 33 km/h. Später haben wir Liegeradneulinge uns streckenweise bis zu 40 km/h getraut. Leider war der Akku meines Mitstreiters nicht vollständig geladen und etwa 15 km vor dem Ziel leer, so dass nur noch das Rücklicht brannte. Wir sind den Rest der Strecke langsam und dicht hintereinander über Radwege gefahren. Alles in Allem zeigte der Tacho am Ende der 139 km langen Überführungsfahrt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 27,2 km/h. Angenehme Überraschung: Wir hatten beide am Folgetag keine Muskel-, Knie- oder andere Beschwerden. Direkt nach dem ich zu Hause angekommen und ausgestiegen war, hatte ich das erwartet!
Arbeitsweg
Auf dem Weg zur Arbeit hat sich das Mango Sport Nummer 417 bereits bewährt: Nieselregen, Nebel, Sonnenschein: Immer Jeans und T-Shirt. Ich bin weniger verschwitzt als auf dem Treckingrad. Die Ventisit-Matte und die Löcher in der Sitzschale belüften den Rücken gut. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf meinen 18 km Abstand liegt in der ersten Woche bei 31 km/h. Mit dem Treckingrad war ich 23 km/h gewohnt. Die langen Abschnitte, die sich früher immer so zooogen, machen heute am meisten Spaß – selbst bei Gegenwind.